Chronik: Wiedergründung 1946 bis 1954

Chronik: Wiedergründung 1946 bis 1954

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Vorwort

Im Rückblick auf die Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg sollen nachstehende Personen genannt werden,  die sich um den TSV Kößlarn zu jener Zeit besonders  verdient gemacht haben:
Alfons Aschenbrenner, Ludwig Wiesbauer, Franz Schreiner, Alois Mayrhofer, Franz Leitl. Franz Schödermeier, Förster Franke, Franz Wagner, Hans Vötter,  Sepp Hausner, Rudolf Biberger sen., Fritz Eichler sen., Karl Niebauer sen., Fredinand Graml sen.

Selbstverständlich kann diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und nur stellvertretend sein für viele andere, deren Namen aber infolge Fehlens jeglicher Aufzeichnungen nicht mehr zu ermitteln waren. Charakteristisch für diese Zeit war eine verschworene Gemeinschaft aus ehemaligen Flüchtlingen und Einheimischen, die die erste Etappe der Kößlarner Fußball-Geschichte schrieben.

Wiedergründung des TSV

Gegründet wurde der Verein im Sommer 1946 in der Gaststätte Kaisersberger. Von der Gründungsversammlung wurden folgende Personen genannt:
Förster Franke, Günter Machanek , Karl Scharschmidt, Alfons Aschenbrenner , Franz Kaisersberger, Franz Matejka,  Hans Kopyt, Gerhard Kopyt, Hans Tengler, Weiler, Adi Probst, Alois Huber.

Nach teilweise heftiger und konträrer Debatte wurde mit großer Mehrheit die Wiedergründung des TSV Kößlarn beschlossen.
Zum 1. Vorstand wurde der Förster Franke gewählt. 2. Vorstand wurde Günter Machanek. Alfons Aschenbrenner  war  Kassier und auch für alle anderen organisatorischen Arbeiten zuständig. Schriftführer wurde 1947 der damalige Gemeindesekretär Sepp Matejka.

Das Sportgeschehen 1946 umfasste die Sparten Fußball, Leichtathletik und Boxen. Die Leichtathletik beschränkte sich auf einige interne Veranstaltungen wie Kugelstoßen und Laufwettbewerbe auf der Asenhamer Straße. Die Box-Staffel, bestehend aus Hans Baljer, Franz Bimesmeier, Theo Hübne und Bölke, absolvierte einige Vergleichskämpfe im Lebmannsaal in Rotthalmünster.

Die Fußballer konnten ihren Sport nur beschränkt ausüben, denn es fehlte ein Sportplatz, auf dem die Fußballspiele abgehalten werden konnten. Als Trainingsplätze fungierten der Schulplatz neben der alten Volksschule und die Fendel – Wiese. Fußball wurde bei jeder Gelegenheit auf der Straße oder auf jedem anderen einigermaßen  geeigneten Gelände gespielt.

Die sportlichen Vergleiche mit anderen Vereinen wurden alle auswärts als Freundschaftsspiele durchgeführt. Das erste Spiel wurde in Rotthalmünster ausgetragen. Ergebnis: Rotthalmünster – Kößlarn 6:1.
Die Mannschaftsaufstellung von Kößlarn: Hans Baljer, Toni Kövesi, Robert Tittl, Hans Tengler, Franz Kaisersberger, Hans Kopyt, Gerhard Kopyt, Karl Scharschmidt, Franz Lederer, Michael Schlegl, Weiler. Bei Rotthalmünster spielten u. a. Hermann Koch, Holzhauser, Spörer, Heinrich Huber, Hans Kremer. Das Tor für Kößlarn erzielte der barfuss spielende Karl Scharschmidt.

Weitere Freundschaftsspiele wurden in Ering, Aigen und Kirchham ausgetragen. Die Sportbekleidung bestand aus einem Hemd mit aufgenähtem Balken und beliebiger Hose. Vorstand Franke organisierte von den Amerikanern in Pfarrkirchen ausgemusterte Militärschuhe, die von den Vereins-Schustern Zitterbart und Kohlpaintner zu Fußballschuhen umfunktioniert wurden. Gesellschaftlich trat der Verein durch Veranstaltungen von Bällen im Bimesmeier-Saal in Erscheinung.

Sportplatzbau

Um endlich auch in Kößlarn Fußballspiele ordnungsgemäß durchführen zu können, wurde von der Vorstandschaft der Bau eines Sportplatzes beschlossen. Aus welchen Gründen die Standortwahl schließlich auf das ca. 2 km außerhalb der Ortschaft gelegene Waldgrundstück in Steinberg fiel, ist heute nicht mehr bekannt.

Jedenfalls erklärte sich der Bauer Franz Leitl in Thanham bereit, sein Grundstück dem Sportverein zu verpachten. Im Frühjahr 1947 konnte mit den Rodungsarbeiten begonnen werden. In unzähligen Arbeitsstunden wurde von vielen freiwilligen Helfern und Gönnern in mühevoller Handarbeit mit Handkarre und Spitzhacke die Rodung, Planierung und der Aufbau des Sportplatzes durchgeführt.

Wertvolle Dienste leistete ein Lanz-Bulldog, der von der BayWa Karpfham zur Verfügung gestellt wurde. Trotzdem musste der Großteil der Arbeiten in Handarbeit durchgeführt werden. Reichten die vorhandenen Werkzeuge nicht aus, so stellte der Straßenwärter Sepp Bachhofer Schaufeln und Spaten zur Verfügung. Durchgeführt wurden die Rodungs- und Planierarbeiten von freiwilligen Helfern, die meist soeben aus der Kriegsgefangenschaft zurückkamen. Stellvertretend für viele seien die Namen Edi Rott und Hans Pohl genannt. Die organisierte Abwicklung lag in den bewährten Händen von Alfons Aschenbrenner, der Vorstand Franke tatkräftig zur Seite stand.

Es dauerte bis zum Spätsommer 1947 bis endlich ein schöner, witterungsbeständiger Sportplatz auf die Einweihung wartete. Zur Sportplatzeinweihung wurde ein Freundschaftsspiel gegen Rotthalmünster ausgetragen. Die Blaskapelle Brummer und Getränke von der Brauerei Schödermeier ließen schon damals einen Hauch von Volksfeststimmung aufkommen. 

Nach Fertigstellung des Sportplatzes beschloss man, an den Verbandsspielen der Saison 1947/48 teilzunehmen. Spielgegner in der C-Klasse Rottal waren unter anderem Ering, Aigen, Kirchham, Kirchdorf. Die ganze Organisation für die Abwicklung des Spielbetriebs lag in den Händen von Alfons Aschenbrenner, der sich einfach um alles kümmerte. Die Fahrten zu den Auswärtsspielen mit den legendären Holzvergasern des Limonadenfabrikanten Ludwig Wiesbauer und des Fuhrunternehmers Sepp Hausner zählen zu den unvergesslichen Erlebnissen eines jeden Beteiligten. Die Lastkraftwagen waren brechend voll von Anhängern, so dass man oft auf Schleichwegen den auswärtigen Spielort anfahren musste. Sportliche Lorbeeren konnte man in der ersten Saison noch nicht ernten. Die Mannschaft landete auf dem Tabellenende.

Ein Mannschaftsfoto von 1947: von links: Hans Baljer, Hans Kopyt,
Ludwig Eidlinger, Michael Schlegl, Toni Kövesi, Walter Dudek, Weiler
(verdeckt), Günter Machanek, Edi Rott, Haberger. Nicht im Bild. Ladka

Nach der Währungsreform im Juni 1948 wurde der 1. Vorstand Franke versetzt, so dass eine Neuwahl erforderlich wurde. Mit großer Mehrheit wurde der Limonadenfabrikant Ludwig Wiesbauer zum 1. Vorstand gewählt. Ihm zur Seite standen Hans Vötter  und natürlich Alfons Aschenbrenner. Neben dem Fußballsport fanden aber auch andere Sportereignisse statt. So wurde beispielsweise auch  ein Radrennen rund um den Markt veranstaltet.

In der Saison 1948/49 spielte der TSV Kößlarn wieder in der C-Klasse Rottal. Erstmals wurde die Mannschaft von einem Trainer betreut. Als Spielertrainer konnte der Kinobesitzer und ehemalige Oberliga-Spieler Neun Max gewonnen werden. Infolge des regelmäßigen Trainings und des Einbaus von neuen Spielern ein deutlicher Leistungsanstieg festgestellt werden, was auch durch die Erreichnung eines Mittelplatzes in der Tabelle zum Ausdruck kam.

Verbandsspiel Kößlarn – Kirchdorf 1 : 3 am 12.09.1948
von links: (stehend) Karl Scharschmidt, Edi Rott, Theo Hübner, Walter Dudek, Hoberger
(kniend) Michael Schlegl, Günter Machanek, Hans Kopyt; (sitzend) Toni Kövesi, Hans Baljer, Ludwig Eidlinger

Ein besonders sportlicher Höhepunkt war das Gastspiel des FC Wacker München am 1. und 2. Januar 1949. Durch Vermittlung des ehemaligen Wacker-Spielers Max Neun konnten die Münchner zu zwei Spielen verpflichtet werden. Am 1. Januar 1949 spielten sie gegen eine Auswahlmannschaft und tags darauf gegen den TSV Kößlarn.

Die beiden Spiele fanden vor der Rekordkulisse von 1000 Zuschauern statt.

Im ersten Spiel konnte die Auswahlmannschaft den Gästen aus München noch einigermaßen Paroli bieten. Die Münchner gewannen knapp 3:2. Die Tore für die Auswahlmannschaft schossen Kronawitter I und Brandstetter vom damaligen Spitzenverein Kirchdorf. Im zweiten Spiel standen die Kößlarner auf verlorenem Posten. Der FC Wacker München gewann überlegen 7:2.

Auswahl- Wacker München am 01.01.1949
Wacker: blaue Hemden, weiße Hosen
Auswahl: weiße Hemden, schwarze Hosen

Vorne 5. von rechts: Hans Baljer, 3. von rechts:
Ludwig Eidlinger, ganz rechts: Hubert Niebauer

Großer Andrang herrschte bei dem alljährlichen Turnerkranzl, das von Tanzmeister Wagner Franz mit sorgfältig einstudierter Polonaise eröffnet wurde. Bei den zahlreichen Bällen mit der berühmten Tanzkapelle Schwaiger aus Neuötting bekamen die Torschützen vom Spieltag eine Extra-Tour.

Im Sommer 1949 wurde neben dem Sportplatz eine Holzhütte mit zwei Umkleideräumen und einem Verkaufsstand errichtet. Eingeweiht wurde das neue „Vereinshaus“ mit einem zünftigen Waldfest.

Mit Beginn der Saison 1949/50 musste wieder eine neue Vorstandschaft gewählt werden, da sich der amtierende Vorstand Ludwig Wiesbauer nicht mehr zur Wahl stellte. Als neuer 1. Vorstand wurde der Oberlehrer Franz Schreiner gewählt. Sein Stellvertreter wurde Alfons Aschenbrenner. In der Saison 1949/50 spielte der TSV Kößlarn von Anfang an in der Spitzengruppe der C-Klasse Rottal mit und belegte einen 2. Tabellenplatz.

Zu Pfingsten 1950 wurden die traditionellen Kößlarner Pfingstpokalturniere gegründet, die in den Folgejahren weitergeführt wurden.

Teilnehmer 1950 waren die Vereine Bayerbach, Birnbach, Asbach und Kößlarn. Während in den Ausscheidungsspielen Kößlarn erwartungsgemäß gegen Bayerbach 2:1 gewann, setzte sich Asbach überraschend mit 1:0 gegen Birnbach durch. Im Endspiel Kößlarn – Asbach stand es nach Ablauf der regulären Spielzeit noch 0:0. Erst in der Verlängerung konnte sich Kößlarn durch ein Tor von Ernst Hentschel den Pokalsieg sichern.

Pokalendspiel Kößlorn – Asbach 1 : 0 n. V.
Asbach: weiße Hemden, Kößlarn: blaues Dress
von links: (stehend} Rott Edi, Niebauer Hubert, Schlegl Michael, Oudek Walter, Mellert Georg, Muser, Kövesi T.;

mittlere Reihe: Zitterbart Rudolf, Hentschel Alfred, Hentschel Erich; vordere Reihe: Spieler von Asbach und Torwart Baljer

Ebenso gewann man im Sommer 1950 das legendäre Pokalturnier in Wittibreut, das allen Beteiligten unvergesslich in Erinnerung blieb. Im Endspiel besiegte die Mannschaft dabei sogar mit 2:1 den B–Klassen–Meister und A-Klassen-Aufsteiger TSV Tann.

Der TSV Kößlarn spielte damals in folgender Aufstellung: Baljer, Kövesi, Zitterbart, Scharschmidt K., Dudek, Rott, Schumacher, Hentschel E., Mellert, Niebauer H., Hentschel A.

Den sportlichen Höhepunkt erreichte die Mannschaft des TSV Kößlarn in der Saison 1950/51. In einem Kopf an Kopf-Rennen zwischen Würding und Kößlarn belegte der TSV Kößlarn knapp hinter SV Würding den 2. Tabellenplatz und war damit infolge einer Neueinteilung der Spielklassen aufstiegsberechtigt.

Vize-Meister 1950/51: von links:
(stehend) Schumacher Adam, Hentschel Erich, Mellert Georg,
Niebauer Hubert, Hentschel Alfred;
(kniend) Rott Edi, Dudek Walter, Scharschmidt Karl;
(sitzend) Zitterbart Rudolf, Baljer Hans, Kövesi Toni

In einem Freundschaftsspiel beim Waldfest 1951 konnte auch erstmals die Mannschaft des TSV Rotthalmünster mit 3:2 besiegt werden.

Im Herbst 1951 wurde wieder eine neue Vorstandschaft gewählt. Das Amt des 1. Vorstands übernahm wieder Ludwig Wiesbauer, sein Stellvertreter wurde erneut  Alfons Aschenbrenner.  Die Saison 1951/52 war schon gekennzeichnet durch Spielerabgänge, die infolge Arbeitsmangel in die westlichen Industriegebiete abwanderten. Bedingt durch die wirtschaftlichen Verhältnisse verstärkte sich die Spielerabwanderung 1952. Der Verein suchte, soweit möglich, durch den Einbau von Jugendspielern und durch Anwerbung von neuen Spielern die Lücken aufzufüllen.

Ein Mannschaftsfoto von 1952: v. links:
(stehend) SR Matejka Franz, Schneider Egbert, Listl Erwin,
Mellert Georg, Hentschel Erich, Niebauer Richard;
(kniend) Schlegl Michael, Rott Edi, Niebouer Hubert,
(sitzend) Kövesi Toni, Pohl Alfred, Dudek Walter

1952 spielte Kößlarn wieder in der C-Klasse Rottal. Der Einbau von Jugendspielern war jedoch altersmäßig nur beschränkt möglich. In der damaligen Jugendmannschaft spielten bereits viele talentierte Nachwuchsspieler, die zu den besten Hoffnungen Anlass gaben:

A Pohl, Ludwig Wiesbauer, Helmut Kohlpaintner, Egbert Schneider, Karl Niebauer, Richard Niebauer, Helmut Zue, Albert Brandl, Ägid Birkl, Franz Scharschmidt, Heinz Schmidt, Willi Brandl, Alois Steinberger.

1953 kam es wieder zur Neuwahl der Vorstandschaft. In einer turbulenten Versammlung im Vereinslokal Schödermeier wurde der Bäckermeister Alois Mayrhofer  zum 1. Vorstand gewählt, sein Stellvertreter wurde der Brauer Franz  Schödermeier.

Auch die Mannschaft von 1952 wurde im Jahre 1953 durch Spielerabgänge nochmals halbiert. Der TSV Kößlarn hatte somit  innerhalb von zwei Jahren seine komplette 1. Mannschaft verloren. Der Spielbetrieb wurde dadurch erheblich beeinträchtigt. Teilweise konnte keine komplette Mannschaft mehr aufgestellt werden. Zum Saisonende 1953/54 war eine ordnungsgemäße Teilnahme am Verbandsspielbetrieb nicht mehr möglich und Im Jahre 1954 musste schließlich der Spielbetrieb eingestellt werden.

Den aufgelassenen Sportplatz überwuchsen wieder Kiefern und Heidelbeersträucher. Kößlarn Fußball-Geschehen versank in einen sechs Jahre dauernden Dornröschenschlaf.